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Digitalisierungsmanager werden

Wie viel Zeit verbringst du mit Programmieren? Die Antwort

· 7 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Arbeitsplatz mit Laptop, auf dem ein grafischer Workflow-Editor zu sehen ist, daneben ein Notizbuch mit handschriftlichen Gesprächsnotizen

Ein Digitalisierungsmanager verbringt im Durchschnitt weniger als fünf Prozent seiner Arbeitszeit mit Programmieren, viele sogar gar keine. Die Rolle ist bewusst kein Entwicklerjob. Stattdessen arbeitest du mit grafischen Werkzeugen, Prompts für KI-Modelle und Konfigurationen bestehender Systeme. Das ist eine der häufigsten Fehlannahmen bei Menschen, die sich für den Beruf interessieren.

“Aber ich kann doch gar nicht programmieren.” Fast jeder zweite Quereinsteiger sagt den Satz im Erstgespräch. Die Rückfrage ist immer dieselbe: Wie viel Zeit verbringst du am Tag mit Menschen, die dir Probleme schildern? Die Antworten auf diese zweite Frage sagen mehr über die Eignung für den Beruf aus als jede Python-Kenntnis.

Wie viel Code du wirklich schreibst

Die ehrliche Antwort: fast keinen. In einer normalen Arbeitswoche schreibst du vielleicht ein paar Zeilen SQL, um Daten aus einer Datenbank zu ziehen, oder eine einfache Formel in einer Tabellenkalkulation. Richtiger Programmcode im Sinne einer Softwareentwicklung ist selten. Wenn du Glück hast, passiert es einmal im Quartal bei einem kleinen Spezialprojekt.

Der Grund ist nicht Faulheit oder Unvermögen, sondern Aufgabenteilung. Programmierung ist ein eigener Beruf mit eigenen Spezialisten. Ein Digitalisierungsmanager, der die Hälfte seiner Zeit programmiert, macht die falsche Arbeit. Seine Aufgaben liegen woanders: beim Verstehen von Prozessen, beim Moderieren von Workshops und beim Einsetzen fertiger Werkzeuge.

Was du stattdessen machst

Der typische Arbeitstag verteilt sich grob so:

TätigkeitZeitanteilWas konkret passiert
Gespräche und Meetings40%Workshops, Stand-ups, Statusmeetings, Klärungen
Prozessanalyse und Dokumentation25%Ist-Prozesse zeichnen, Schwachstellen finden
Aufbau von Automatisierungen20%n8n-Workflows, Power Automate, Prompt-Bau
Tests und Fehlersuche10%Workflows prüfen, Randfälle finden
Programmierenweniger als 5%SQL-Abfragen, einfache Formeln

Die Spalten addieren sich nicht auf exakt hundert, weil jeder Tag anders aussieht. Was sich aber jede Woche bestätigt: Du verbringst den meisten Teil deiner Zeit mit Kommunikation und Analyse, nicht mit Bauen im engeren Sinn. Teilnehmer, die in der ersten Kurswoche ein Wochenprotokoll führen, landen fast alle bei dieser Verteilung.

Welche Werkzeuge das Programmieren ersetzen

Statt Code schreibst du Prompts. Ein Prompt ist eine Anweisung an ein Large Language Model wie ChatGPT oder Claude. Du sagst dem Modell, was es tun soll, zeigst ihm zwei oder drei Beispiele und testest das Ergebnis. Wenn es nicht passt, passt du die Anweisung an. Das ist Textarbeit, keine Programmierung.

Statt Datenbanken selbst zu schreiben, nutzt du fertige Systeme und holst Daten mit einfachen Abfragen heraus. Statt eigene Software zu bauen, klickst du Workflows in Werkzeugen wie n8n oder Make zusammen. Statt Schnittstellen von Grund auf zu entwickeln, nutzt du vorgefertigte Connectoren zu Hunderten von Diensten.

Laut Bitkom-Befragung 2025 setzen über vierzig Prozent der Unternehmen inzwischen KI-Tools und No-Code-Plattformen aktiv ein. Die Menschen, die diese Werkzeuge einführen, sind fast nie klassische Entwickler, sondern Digitalisierungsmanager und Prozessexperten.

Ist das nicht verkleidete Programmierung?

Nein. Beim Programmieren baust du von Grund auf, debuggst Fehler in tausenden Zeilen Code, kümmerst dich um Speicher, Sicherheit, Performance und Architektur. Du lernst jahrelang eine Programmiersprache und wirst nur dann gut, wenn du jeden Tag an echtem Code arbeitest.

Bei No-Code-Werkzeugen ist die Einstiegshürde niedrig. Ein motivierter Teilnehmer kann nach zwei Wochen erste eigene Workflows bauen. Die Logik ist visuell, die Bausteine sind vorgegeben, die Dokumentation ist für Anwender gemacht, nicht für Entwickler. Das ist eine andere Welt, auch wenn die Ergebnisse ähnlich aussehen können.

Wer später mehr will, kann Programmierung als Zusatz lernen. Aber der Beruf verlangt es nicht, und die allermeisten Digitalisierungsmanager kommen ohne Code gut durchs Arbeitsleben. Mehr dazu in unserem Artikel Warum Digitalisierungsmanager kein klassischer IT-Beruf ist.

Und wer programmiert dann?

Wenn ein Projekt echte Software braucht, arbeitet der Digitalisierungsmanager mit Entwicklern zusammen. Das können interne IT-Teams sein, externe Dienstleister oder spezialisierte Agenturen. Der Digitalisierungsmanager schreibt die Anforderung, begleitet die Umsetzung und testet das Ergebnis. Die Grenze ist klar: Konzept und Anforderung gehören ihm, der Code den Entwicklern.

In der Praxis passiert das seltener, als man denkt. Die meisten Projekte, die ein Digitalisierungsmanager leitet, brauchen keine Neuentwicklung. Sie brauchen die kluge Kombination vorhandener Werkzeuge, gute Konfiguration und eine saubere Einführung. Das ist die Stärke des Berufs.

Mehr zum konkreten Alltag und zur Rolle in Unternehmen liest du im Tagesablauf eines Digitalisierungsmanagers und in Wie Digitalisierungsmanager mit IT-Abteilungen zusammenarbeiten.

Was das für Menschen ohne technischen Hintergrund heißt

Die Nachricht ist erfreulich. Wer aus einer Fachabteilung kommt, keine Programmiererfahrung hat und sich fragt, ob der Beruf wirklich machbar ist, bekommt hier eine klare Antwort: Ja. Die Voraussetzungen sind Prozessverständnis, Kommunikationsstärke und die Bereitschaft, mit modernen Werkzeugen zu arbeiten. Nichts davon verlangt Code.

Das zieht sich durch jede Kohorte: Teilnehmer, die am ersten Tag unsicher sind, bauen nach vier Monaten souveräne Workflows. Der Schlüssel ist die Reduktion der Hürde durch grafische Werkzeuge. Was früher einem Programmierer vorbehalten war, machen heute Menschen, die aus der Buchhaltung, dem Vertrieb oder der Verwaltung kommen.

Wer trotzdem Lust auf etwas Code bekommt, kann das als Hobby oder Weiterbildung nachziehen. Dafür gibt es später genug Gelegenheit. Niemand sollte den Beruf aufschieben, weil er denkt, er müsse erst Python lernen. Erst den Beruf ergreifen, dann bei Bedarf vertiefen.

Häufige Fragen zum Thema Programmieren

Muss ich Python oder eine andere Sprache vor der Weiterbildung können? Nein. Die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager setzt keine Programmierkenntnisse voraus. Wer Python kann, hat einen Vorteil bei komplexeren Projekten, aber es ist keine Pflicht.

Wird in der Weiterbildung Programmieren gelehrt? In minimaler Tiefe. Viele Weiterbildungen berühren Python kurz, damit du den Begriff kennst und einfache Skripte lesen kannst. Aber es wird nicht darauf geprüft, und du wirst nicht zum Entwickler ausgebildet.

Wenn ich Code mag, bin ich dann im falschen Beruf? Nicht unbedingt. Wer Code mag und gleichzeitig gern mit Menschen arbeitet, ist im Digitalisierungsmanager besser aufgehoben als in einer reinen Entwicklerrolle, weil er die Brücke bauen kann. Wer ausschließlich Code mag und Meetings hasst, sollte einen Entwicklerberuf wählen.

Wie sieht das in Zukunft aus? Werden KI-Tools den Beruf ersetzen? KI-Tools ersetzen bestimmte Aufgaben, aber nicht den Beruf. Im Gegenteil: Je mehr KI-Tools verfügbar sind, desto mehr Menschen werden gebraucht, die sie im Alltag einführen, trainieren und integrieren. Das ist genau die Aufgabe des Digitalisierungsmanagers.

Welche Sprachen lohnen sich, wenn ich doch etwas lernen will? Für den Digitalisierungsmanager am nützlichsten sind SQL für Datenbankabfragen und Python für gelegentliche Skripte. Beides auf Grundlagenniveau, nicht als Vollzeit-Skill. Priorität hat aber immer die Arbeit mit fertigen Werkzeugen.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger für KI- und Digitalisierungs-Weiterbildungen. Promovierter Naturwissenschaftler, seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung, aktiver Kursleiter und Berater für Quereinsteiger. Mehr über den Autor.

Zuletzt geprüft am 13. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.


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