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Digitalisierungsmanager werden

Zusammenarbeit mit der IT-Abteilung im Alltag

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Frau Mitte 30 und Mann Ende 40 vor einem Bildschirm mit Architektur-Diagramm, Fachgespräch in einem ruhigen Büro, beide konzentriert

Die Zusammenarbeit zwischen Digitalisierungsmanager und IT-Abteilung ist eine der entscheidenden Schnittstellen im Beruf. Sie ist auch eine der häufigsten Quellen für gescheiterte Projekte. Wer die unterschiedlichen Denkweisen versteht und ein paar einfache Regeln beachtet, vermeidet die meisten Konflikte, bevor sie entstehen.

Viele Quereinsteiger stehen in den ersten Wochen im neuen Job vor einer überraschenden Mauer. Sie kommen aus der Weiterbildung mit der Begeisterung für KI, n8n und ChatGPT, und in der ersten Sitzung mit der IT hören sie Sätze wie “Das geht so nicht”, “Das verträgt sich nicht mit unserer Architektur”, “Das hat der Datenschutzbeauftragte noch nicht freigegeben”. Diese Sätze sind keine Schikane. Sie sind die berechtigte Vorsicht von Menschen, deren Job es ist, dass nichts ausfällt.

Warum die IT anders tickt

Die IT-Abteilung wird an anderen Zielen gemessen als der Digitalisierungsmanager. Stabilität, Sicherheit, Verfügbarkeit und Compliance sind die Kernaufgaben. Die IT-Leitung wird aufgeweckt, wenn ein System ausfällt, nicht wenn ein Workflow drei Tage später live geht. Das prägt die Denkweise.

Der Digitalisierungsmanager wird dagegen an Geschwindigkeit, Innovation und sichtbaren Ergebnissen gemessen. Geschäftsführer fragen “Was hast du diese Woche neu eingeführt”, nicht “Was hast du verhindert”. Diese unterschiedlichen Zielsysteme erzeugen automatisch Spannungen, ohne dass jemand böse Absicht hat. Wer das versteht, geht entspannter in die Gespräche.

Mehr zur Rolle als Übersetzer zwischen Welten findest du in Warum kein klassischer IT-Beruf und im Pillar Berufsbild.

Die Sprache in IT-Gesprächen

Eine pragmatische Heuristik. Du sprichst die Sprache der IT, ohne dich als IT-Experte aufzuspielen. Konkret heißt das, du kennst die wichtigsten Begriffe (API, Schnittstelle, Authentifizierung, Datenbank, Backup, Rollout, Test-, Stage-, Produktionsumgebung), du benutzt sie korrekt, und du fragst nach, wenn dir etwas nicht klar ist. Letzteres ist der wichtigste Punkt.

Du sagst stattBesser sagst du
”Verbindung zum System""API-Anbindung über REST oder Webhook"
"Das System spuckt Daten aus""Der Export liefert eine CSV oder JSON-Antwort"
"Das Tool soll selbst loslaufen""Wir brauchen einen Trigger und einen Scheduler"
"Wir machen es sicher""Authentifizierung über OAuth oder API-Key, je nachdem was die IT vorgibt"
"Es muss DSGVO-konform sein""Personenbezogene Daten? Auftragsverarbeitungsvertrag? On-Premise oder Cloud?”

Sobald du diese Sprache benutzt, ändert sich das Gespräch. Die IT merkt, dass du nicht mit unrealistischen Erwartungen kommst, sondern verstehst, was du forderst. Das ist die wichtigste Voraussetzung für Vertrauen.

Wer das unterschätzt, hat in der Praxis regelmäßig ein Problem: Quereinsteiger, die die ersten zwei Wochen im neuen Job damit verbringen, mit dem IT-Team einen Kaffee zu trinken und zuzuhören, gewinnen Vertrauen, das sich in jedem späteren Projekt auszahlt. Wer gleich mit Projektplänen auf den Tisch knallt, verbrennt Goodwill, das er später dringend braucht.

Typische Reibungspunkte

Vier Konflikte tauchen immer wieder auf, und für jeden gibt es eine Strategie.

Schatten-IT. Du hast in der Fachabteilung ein Tool entdeckt, das nicht offiziell freigegeben ist. Die IT hat es nie autorisiert. Die elegante Lösung: Du dokumentierst die Schatten-IT, schlägst eine offizielle Alternative vor und holst die Fachabteilung als Mit-Antragsteller ins Boot. So werden die Endnutzer nicht zu Verlierern und die IT bekommt das, was sie ohnehin gefordert hätte.

Cloud versus On-Premise. Du willst ein KI-Tool einsetzen, das nur als Cloud-Service verfügbar ist. Die IT hat eine On-Premise-Politik. Die Lösung liegt im Listen der Optionen: Cloud mit Auftragsverarbeitungsvertrag, Self-Hosting falls möglich, Open-Source-Alternative. Du zeigst die Risiken jeder Option und lässt die Geschäftsführung zusammen mit der IT entscheiden. Du bist der Vermittler, nicht der Durchsetzer.

Geschwindigkeit. Du willst nächste Woche live, die IT braucht acht Wochen für ein Change-Management-Verfahren. Du verstehst, warum die acht Wochen nötig sind, und planst sie ein. Wer das ignoriert, eskaliert die Situation und verliert in jedem Folgeprojekt Vertrauen.

Verantwortung im Fehlerfall. Eine neue Lösung läuft, dann kommt ein Bug. Wer ist schuld? Vor dem Go-live in einem kurzen Übergabe-Dokument klarstellen, wer welche Verantwortung trägt. Wer den Workflow betreibt, wer ihn überwacht, wer ihn im Notfall stoppt. Das klingt formal, schützt aber alle Beteiligten.

Mehr zur Verantwortung im Beruf liest du in Wie viel Verantwortung trägt ein Digitalisierungsmanager.

Eskalation mit Augenmaß

Eskalation ist eines der schwierigsten Themen für Quereinsteiger. Zu früh wirkst du wie jemand, der nicht selbstständig arbeitet. Zu spät wirkst du wie jemand, der Probleme verschleppt. Eine pragmatische Regel: Du eskalierst, sobald drei Bedingungen erfüllt sind.

Du hast intern eine sachliche Lösung versucht, sie wurde abgelehnt oder ignoriert. Die Folgen, wenn du nicht eskalierst, sind größer als der zwischenmenschliche Schaden, den die Eskalation verursacht. Du hast einen konkreten Vorschlag, was die nächste Eskalationsstufe entscheiden soll, nicht nur ein Problem.

Wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind, eskalierst du. Mit einer kurzen E-Mail an deinen Vorgesetzten und den IT-Leiter im CC, mit einer klaren Sachdarstellung und einem konkreten Vorschlag. Keine Schuldzuweisungen, keine Emotionen, keine Pauschalkritik. Nur Sache, Optionen, Empfehlung. Diese Form der Eskalation wird in gesunden Firmen als professionell wahrgenommen, nicht als Petzerei.

Sieben Regeln für die Zusammenarbeit, die in der Praxis funktionieren

  1. Geh in die IT, bevor du sie brauchst. Stell dich vor, frag, wie die IT organisiert ist, welche Themen besonders kritisch sind, welche Tools schon im Einsatz sind. Diese Vorarbeit zahlt sich aus, sobald das erste Projekt startet.

  2. Lerne den Change-Management-Prozess deines Unternehmens. Welche Schritte braucht ein neues Tool, bis es produktiv läuft? Wer muss zustimmen? Wie lang dauert es im Schnitt? Plane das in jedes Projekt ein.

  3. Dokumentiere deine Anforderungen schriftlich. Mündliche Anfragen werden vergessen oder anders interpretiert. Eine kurze schriftliche Anforderung mit Ziel, Scope und Zeitrahmen verhindert die meisten Missverständnisse.

  4. Frage nie nach einem Tool, frage immer nach einer Funktion. Statt “Wir brauchen Zapier” sag “Wir brauchen eine Möglichkeit, automatisch aus System A in System B zu kopieren”. Lass die IT das passende Tool vorschlagen. Das respektiert ihre Architekturhoheit.

  5. Akzeptiere ein Nein, und frage, was ein Ja braucht. Wenn die IT ein Tool ablehnt, ist das selten endgültig. Frage nach den konkreten Bedenken und ob es eine Bedingung gibt, unter der es freigegeben würde. Oft gibt es eine.

  6. Halte die IT auf dem Laufenden. Auch wenn ein Projekt gerade nicht akut ist, eine kurze Status-Mail alle zwei Wochen schadet nicht. Das verhindert das gefürchtete “Davon haben wir gar nichts gewusst”.

  7. Bedanke dich öffentlich für gute Zusammenarbeit. Wenn ein IT-Kollege dir geholfen hat, erwähne ihn im Status-Meeting mit der Geschäftsführung. Diese kleinen Gesten verändern die Beziehung mehr als jedes Methoden-Werkzeug.

Quereinsteiger, die diese sieben Regeln in den ersten sechs Monaten verinnerlichen, gehören in ihrer Firma nach einem Jahr zu den Leuten, die die IT respektiert. Mehr zu typischen Herausforderungen findest du im Artikel Typische Herausforderungen im Alltag und zur Persönlichkeit im Beitrag Welche Persönlichkeit passt zum Beruf.

Wenn es keine IT-Abteilung gibt

In kleinen Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung übernimmst du als Digitalisierungsmanager faktisch beide Rollen. Das bedeutet mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung. Du musst sicherstellen, dass Backups laufen, dass DSGVO-Pflichten erfüllt sind, dass Software-Updates eingespielt werden, dass ein externer Dienstleister im Notfall erreichbar ist. Mehr dazu im Artikel Rolle bei kleinen Unternehmen ohne IT.

Häufige Fragen zur Zusammenarbeit mit der IT

Muss ich programmieren können, um mit der IT auf Augenhöhe zu reden? Nein. Du musst Konzepte verstehen (API, Datenbank, Authentifizierung, Cloud), nicht Code schreiben können. Wer als Quereinsteiger glaubwürdig zuhört und die richtigen Fragen stellt, wird ernst genommen, auch ohne Java-Vorkenntnisse.

Was, wenn der IT-Leiter prinzipiell jeden meiner Vorschläge ablehnt? Erste Frage: Ist es persönlich oder strukturell? Strukturell heißt, der IT-Leiter wird vom Management an Stabilitätszielen gemessen, und jeder neue Vorschlag erhöht sein Risiko. Lösung: Der Geschäftsführung sichtbar machen, wie wichtig dein Projekt strategisch ist, damit auch die IT andere Anreize bekommt. Wenn es persönlich ist, hilft nur Geduld und transparente Kommunikation, oder im Extremfall eine Mediation durch den Vorgesetzten beider.

Wie viel Zeit vergeht zwischen einer Idee und der echten Umsetzung in einem Mittelständler? Realistisch sechs bis zwölf Wochen für ein mittleres Projekt, oft länger im stark regulierten Umfeld. Wer mit der Erwartung kommt, in zwei Wochen live zu gehen, scheitert oft.

Kann ich Tools selbst ausrollen, ohne die IT zu fragen? Bei kostenlosen Browser-Tools für deinen eigenen Gebrauch oft ja. Sobald andere Mitarbeiter es nutzen sollen oder personenbezogene Daten verarbeitet werden, ist die Antwort: nein, immer mit der IT abstimmen. Schatten-IT durch den Digitalisierungsmanager wäre das schlechteste Signal.

Wie reagiere ich, wenn die IT mich technisch herausfordert? Ruhig und ehrlich. Wenn du etwas nicht weißt, sag es. “Das weiß ich nicht, wer in deinem Team könnte mir das erklären?” ist besser als jede Schauspielerei. Die IT respektiert Wissensgrenzen, sie verachtet Hochstapelei.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger für KI- und Digitalisierungs-Weiterbildungen. Promovierter Naturwissenschaftler, seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung, aktiver Kursleiter und Berater für Quereinsteiger. Mehr über den Autor.

Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.

Quellen: Bitkom IT-Sicherheitsreport 2025, Bundesagentur für Arbeit, Berufenet Digitalisierungsmanager.


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