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Digitalisierungsmanager werden

Digitalisierungsmanager im öffentlichen Dienst

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Digitalisierungsmanagerin in einem hellen Büro einer Behörde, neben einem Aktenordner mit Laptop

Digitalisierungsmanager im öffentlichen Dienst arbeiten an einem Auftrag, den niemand anderes übernimmt: deutsche Verwaltung digital machen. Die Bühne ist groß, die Wege sind lang, und die Belohnung ist eine Stelle mit Sinn und Stabilität. Du wirst Akten in elektronische Akten verwandeln, Antragsstrecken aus Papier in das Internet bringen und mit Fachbereichen arbeiten, die Dinge tun, die seit dreißig Jahren genauso laufen.

In meinen Beratungsgesprächen sitzen regelmäßig Verwaltungsangestellte, die diesen Wechsel als logische Fortsetzung sehen, und Quereinsteiger aus der freien Wirtschaft, die sich bewusst für mehr Sinn und weniger Hetze entscheiden. Beide Gruppen müssen aber wissen, worauf sie sich einlassen. Der öffentliche Dienst ist nicht der Mittelstand. Er ist nicht die Beratung. Er ist eine eigene Welt mit eigenen Regeln, und wer das akzeptiert, kann dort über zwanzig Jahre lang sehr zufrieden arbeiten.

Aufgaben in der Behörde

Die Themen kommen aus den Reformpaketen des Bundes und der Länder. Vor allem das Onlinezugangsgesetz (OZG) ist in den letzten Jahren zum Treiber geworden und wurde durch das OZG-Änderungsgesetz weiter geschärft. Daraus entstehen Aufgaben wie diese:

  • Antragsstrecken digitalisieren, etwa Wohngeld, Elterngeld, Aufenthaltstitel, Bauanträge
  • Elektronische Akte einführen oder erweitern, oft auf Basis von DOMEA, nscale oder VIS
  • Daten zwischen Fachverfahren austauschen, etwa zwischen Meldewesen, Sozialleistungsträger und Steuer
  • KI-Pilotprojekte für Texterkennung, Übersetzung oder Vorklassifikation von Anträgen
  • Schulung der Beschäftigten im Umgang mit neuen Werkzeugen
  • Datenschutz und Informationssicherheit gegenüber Aufsichtsbehörden dokumentieren

Du wirst selten von null anfangen. Die meisten Behörden haben bereits Konzepte, Beauftragte, Dienstleister. Deine Aufgabe ist es, die Lücke zwischen Konzept und Umsetzung zu schließen, denn diese Lücke ist der Grund, warum sich Bürger über die deutsche Verwaltung beschweren.

Der typische Tag in einer Behörde

Der Tag ist strukturiert. Du hast feste Arbeitszeiten, Gleitzeit ist Standard, Homeoffice in vielen Häusern möglich, aber nicht überall. Vormittags arbeitest du an konkreten Themen, oft im Austausch mit Fachbereichen oder dem IT-Dienstleister deines Hauses. Nachmittags liegen Termine, Dokumentation, Berichte an die Hausleitung.

Behörden arbeiten in formalisierten Bahnen. Vermerke werden geschrieben, Vorgänge werden zur Kenntnis gegeben, Entscheidungen werden gezeichnet. Wer aus der freien Wirtschaft kommt, wird in den ersten Wochen ungeduldig. Wer aus der Verwaltung kommt, kennt die Logik und arbeitet sich schnell ein. Mehr im Beitrag Quereinstieg aus dem öffentlichen Dienst und Aus der Verwaltung in den Beruf wechseln.

Die Tool-Landschaft im öffentlichen Dienst

Die IT-Landschaft ist vielfältig und oft historisch gewachsen. Häufige Systeme: nscale, VIS, DOMEA, ELO als elektronische Akte, dazu eine breite Palette an Fachverfahren je nach Aufgabengebiet. Bürgerportale laufen oft auf den Plattformen von Bund und Ländern (BundID, Servicekonten, FIT-Connect). Microsoft 365 ist in vielen Häusern eingeführt, in anderen ist man bei OpenSource-Lösungen wie LibreOffice geblieben.

Auf der Automatisierungsseite arbeiten viele Behörden mit Process Mining, mit RPA-Tools wie UiPath oder Blue Prism und langsam auch mit n8n und Power Automate. KI-Werkzeuge wie ChatGPT und Claude sind in den meisten Häusern aus Datenschutzgründen nur mit speziellen Lösungen erlaubt, etwa über Microsoft Azure OpenAI in einer EU-Region.

Du musst diese Systeme nicht selbst administrieren. Du musst die Logik kennen und in der Lage sein, mit den Spezialisten und den IT-Dienstleistern verständlich zu reden. Mehr zur Tool-Landschaft im Beitrag Welche Tools nutzt ein Digitalisierungsmanager täglich.

Unterschiede zur freien Wirtschaft

Stabilität. Der öffentliche Dienst entlässt selten. Wer einmal verbeamtet ist oder einen unbefristeten Vertrag im TVöD oder TV-L hat, hat eine der sichersten Arbeitsplätze, die es in Deutschland gibt.

Bezahlung ist tariflich geregelt, transparent, fair, aber selten am oberen Rand des Marktes.

Und das Tempo. Im öffentlichen Dienst werden Dinge nicht schnell entschieden. Wer das nicht aushält, sollte nicht hingehen. Wer das als Vorteil erlebt, blüht auf.

Laut Bundesinnenministerium ist die Digitalisierung der Verwaltung eines der zentralen Reformprojekte der nächsten Jahre. Wer hier mitarbeitet, bekommt eine Mission, die niemand sonst übernimmt.

Wer passt in den öffentlichen Dienst und wer nicht

Du brauchst Geduld, Dokumentationsfreude und die Fähigkeit, in einer hierarchischen Welt zurechtzukommen. Wer Konflikte scheut, wird sich wohlfühlen. Wer Tempo liebt und sofort sichtbare Ergebnisse braucht, wird unglücklich.

In meinen Kursen sehe ich Quereinsteiger aus dem Verwaltungs- und Bankenumfeld besonders gut ankommen. Beide kennen die Logik formaler Wege. Die Bezahlung wird über den TVöD oder den TV-L geregelt, je nach Aufgabengebiet meist in der Entgeltgruppe 11 bis 13. Mehr zur Persönlichkeit im Beitrag Welche Persönlichkeit passt zum Beruf und welche nicht.

Eingruppierung und Bezahlung

Im öffentlichen Dienst läuft die Bezahlung tariflich. Für Digitalisierungsmanager sind je nach Behörde, Aufgabe und Vorqualifikation unterschiedliche Entgeltgruppen möglich, meist im Bereich E11 bis E13. Die genaue Eingruppierung hängt vom Stellenprofil und vom Tarifvertrag ab. Wer in einer Bundesbehörde arbeitet, fällt unter den TVöD Bund. Wer in einer Landesbehörde arbeitet, unter den TV-L. Kommunen nutzen den TVöD VKA.

Die Spannweite ist breit. In E11 liegen die Bruttogehälter je nach Erfahrungsstufe in einem bestimmten Korridor, in E12 etwas darüber, in E13 wieder etwas höher. Wer eine Höhergruppierung anstrebt, muss meist nachweisen, dass die Tätigkeit eigenständige fachliche Beurteilungen verlangt oder eine bestimmte Vorbildung voraussetzt.

In meiner Beratungspraxis empfehle ich Quereinsteigern, vor dem Vorstellungsgespräch die Stellenausschreibung sorgfältig zu lesen und die genannte Entgeltgruppe gegen die TVöD- oder TV-L-Tabellen zu prüfen. Diese Tabellen sind öffentlich und transparent. Wer im Gespräch zeigt, dass er die Eingruppierung verstanden hat, wirkt vorbereitet und seriös.

Was im öffentlichen Dienst besser ist als in der freien Wirtschaft: die betriebliche Altersversorgung über die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL), Sonderzahlungen, Jahresurlaub und sehr stabile Arbeitsbedingungen. Was schlechter ist: das Anfangsgehalt im Vergleich zu vergleichbaren Stellen in der Wirtschaft. Wer das fair gegeneinander abwägt, kann eine Entscheidung treffen, die zu seinem Lebensentwurf passt.

Häufige Fragen zum Digitalisierungsmanager im öffentlichen Dienst

Werde ich verbeamtet? In den meisten Fällen nicht. Stellen für Digitalisierungsmanager sind oft Tarifstellen im TVöD oder TV-L, weil sie keine klassische hoheitliche Aufgabe sind. Verbeamtung ist möglich, aber nicht der Normalfall.

Muss ich Verwaltungserfahrung mitbringen? Nicht zwingend, aber sehr hilfreich. Wer aus der Verwaltung kommt, kennt die Sprache und die Wege. Wer aus der Wirtschaft kommt, muss Geduld mitbringen und sich auf einen anderen Tonfall einstellen.

Wie hoch ist das Einstiegsgehalt im öffentlichen Dienst? Tarifgebunden, je nach Eingruppierung und Erfahrung. Die allgemeinen Werte für Digitalisierungsmanager liegen am unteren Rand der Marktspanne von 50.000 bis 65.000 Euro brutto pro Jahr. Dafür ist die Stelle sicher und mit ordentlicher betrieblicher Altersversorgung verbunden.

Wie sieht es mit Homeoffice aus? Sehr unterschiedlich von Behörde zu Behörde. Bundes- und Landesbehörden sind oft offener, Kommunen sind je nach Hausleitung unterschiedlich. Frag konkret im Vorstellungsgespräch.

Lohnt sich der öffentliche Dienst für jemanden in der Mitte des Lebens? Ja, wenn du Wert auf Sicherheit, planbare Zeiten und Sinn legst. Der öffentliche Dienst ist eine der besten Anlaufstellen für Menschen mit familiären Verpflichtungen oder gesundheitlichen Einschränkungen.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger für KI- und Digitalisierungs-Weiterbildungen. Promovierter Naturwissenschaftler, seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung, Berater für Quereinsteiger in den öffentlichen Dienst. Mehr über den Autor.

Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.


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