Zum Inhalt springen
Digitalisierungsmanager werden

Digitalisierungsmanager in Beratungen: was unterscheidet die Arbeit

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Beraterin mit Laptop in einem hellen Konferenzraum, im Hintergrund Whiteboard mit Prozessdiagramm

Digitalisierungsmanager in Beratungen wechseln den Auftraggeber alle paar Wochen oder Monate. Heute ein Mittelständler im Maschinenbau, in zwei Wochen eine Versicherung, im nächsten Quartal eine Stadtverwaltung. Diese Vielfalt ist der größte Reiz und die größte Belastung der Branche. Wer Lust auf wechselnde Themen und neue Menschen hat, fühlt sich wohl. Wer Stabilität braucht, leidet schnell.

In meinen Beratungsgesprächen sitzen Quereinsteiger, die in eine Beratung wollen, oft mit einer Mischung aus Romantik und Naivität. Sie stellen sich die Tätigkeit vor wie im Lehrbuch: kluge Köpfe, große Bühnen, schnelle Karriere. Die Realität ist wesentlich klein-klein, viele PowerPoint-Folien, viel Reise und sehr viele Stunden. Ein Beruf in der Beratung kann eine wundervolle Schule sein, aber er ist kein Selbstläufer.

Die Tätigkeit in einer Beratung

Die Tätigkeit ist sehr unterschiedlich, je nachdem in welcher Beratung du arbeitest. Klassische Strategieberatungen arbeiten anders als IT-Beratungen, Boutique-Beratungen anders als die großen Häuser. Eine grobe Einteilung:

BeratungstypWas du tustWer passt
Große IT-BeratungProzessanalyse, Implementierung, SchulungGeneralisten mit Methodikfreude
Boutique-DigitalberatungKonzept, Prototyp, TestingPraktiker mit Tool-Affinität
Mittelstands-BeratungFörderanträge, Quick Wins, CoachingEhemalige Mittelständler
Inhouse-Beratung im KonzernInterne Projekte mit klarem AuftragPolitik-Versteher

Inhaltlich arbeitest du an dem, wofür dich der Kunde gerade gebucht hat. Heute ein BPMN-Workshop, morgen ein Konzept für eine KI-Pilotanwendung, übermorgen die Begleitung einer ERP-Auswahl. Du wirst selten Tiefe in einem Thema entwickeln und stattdessen breit unterwegs sein.

Der typische Tag in einer Beratung

Der Tag ist projektgetrieben. Wenn du in einem Kundenprojekt steckst, sitzt du oft beim Kunden vor Ort, in einem für dich provisorisch hergerichteten Besprechungsraum oder Schreibtisch. Vormittags arbeitest du an Workshops oder Interviews, nachmittags dokumentierst du, baust Folien, sprichst mit Kollegen aus deinem Team. Abends hast du oft noch Stunden im Hotel zu erledigen, weil der Kunde die Ergebnisse für den nächsten Morgen braucht.

In modernen Beratungen ist der Reiseanteil zurückgegangen, viele Termine laufen remote. Es gibt aber auch Häuser, in denen die Reise immer noch dazugehört. Die Wochen können dann lang sein: Montag früh raus, Donnerstagabend zurück. Wer eine junge Familie hat, sollte das vorher klären.

Tools und Methoden

Beratungen lieben Methoden. Du wirst BPMN, Lean, Six Sigma, Agile, Design Thinking und manchmal alles gleichzeitig anwenden müssen. Welches Werkzeug du wann nutzt, lernst du im ersten halben Jahr. Wichtiger als das Werkzeug ist, dass du klar erklären kannst, warum du es einsetzt.

Auf der Tool-Seite arbeitest du viel mit PowerPoint, Excel, Miro oder Mural, Confluence oder Notion. Auf der Prototyping-Seite mit n8n, Make, Power Automate, manchmal mit speziellen Branchenlösungen. KI-Werkzeuge wie ChatGPT und Claude nutzt du täglich, weil du in kurzer Zeit Inhalte produzieren musst, die du sonst Tage lang recherchieren würdest. Mehr zur generellen Tool-Landschaft im Beitrag Welche Tools nutzt ein Digitalisierungsmanager täglich.

Beratung versus Inhouse

Tempo. In der Beratung erwartet jeder Kunde, dass du schnell lieferst. Zwei Wochen Einarbeitung sind oft schon zu viel.

Verantwortung ohne Macht. Du erarbeitest Konzepte, aber du entscheidest sie nicht. Der Kunde entscheidet, ob er sie umsetzt. Das ist eine Haltung, die man entwickeln muss.

Und die Karrierestruktur. In der Beratung sind die Stufen klar definiert, von Junior über Senior, Manager, Senior Manager bis Partner. Wer aufsteigen will, kann das in 8 bis 12 Jahren bis zum Partner bringen, wenn die Persönlichkeit und das Netzwerk passen.

Laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen wächst der Markt für Digitalisierungsberatung in Deutschland weiter. Wer drei Jahre in einer guten Beratung übersteht, hat anschließend leichten Zugang zu fast jeder Inhouse-Stelle, weil das Methodenwissen und das Netzwerk zählen. Mehr zum Vergleich findest du im Beitrag Inhouse vs Beratung: zwei Welten in einem Beruf.

Wer passt in eine Beratung und wer nicht

Du brauchst Belastbarkeit, weil die Wochen lang sind. Du brauchst Lernfreude, weil du immer wieder neue Branchen verstehst. Du brauchst die Fähigkeit, zwischen Ernst und Leichtigkeit zu wechseln, weil Kunden manchmal sehr formell, manchmal sehr locker sind. Wer das mitbringt, wird in der Beratung schnell wachsen.

Schwer haben es Menschen, die Stabilität brauchen, die familiäre Verpflichtungen mit festen Zeiten haben oder die in einem Thema in die Tiefe gehen wollen. Beratungen sind Generalisten-Schulen. Tiefe kommt erst nach vielen Jahren. Mehr zur Persönlichkeit im Beitrag Welche Persönlichkeit passt zum Beruf und welche nicht.

So kommst du als Quereinsteiger an

Die ersten sechs Monate in einer Beratung entscheiden oft darüber, ob du langfristig bleibst oder schnell wieder gehst. Drei Empfehlungen aus meiner Beratungspraxis helfen dir, die Hürden zu nehmen.

Hol dir früh einen Mentor im Haus. In jeder Beratung gibt es erfahrene Kollegen, die gerne weitergeben, was sie wissen, wenn du sie höflich darum bittest. Frag nach einem regelmäßigen kurzen Kaffee, nicht nach einem strukturierten Mentoring-Programm. Die Antwort ist fast immer ja.

Akzeptiere die Methodik des Hauses. Jede Beratung hat ihre eigenen Vorlagen, Modelle und Sprachregelungen. Wer als Quereinsteiger versucht, eigene Modelle einzuführen, wirkt überheblich. Wer die Methodik des Hauses gründlich übernimmt und erst nach einem Jahr eigene Akzente setzt, wird respektiert.

Lerne, kurze schriftliche Zusammenfassungen zu liefern. In Beratungen wird viel gelesen und wenig gesprochen. Eine zweiseitige Management-Zusammenfassung mit klarer Botschaft ist mehr wert als eine perfekte Powerpoint mit dreißig Folien. Wer das übt, hebt sich schnell von anderen Quereinsteigern ab.

In meinen Kursen sehe ich, dass diese drei Punkte den Unterschied zwischen einem Berater machen, der nach drei Monaten frustriert ist, und einem, der nach zwei Jahren als geschätzter Spezialist gilt. Beratung ist erlernbar, aber nicht ohne Demut.

Häufige Fragen zum Digitalisierungsmanager in Beratungen

Stellen Beratungen Quereinsteiger ein? Ja, vor allem mittelgroße und spezialisierte Häuser. Sie suchen Menschen mit Branchenerfahrung, die sich methodisch nachschulen lassen. Wenn du aus einer Industrie, einer Versicherung oder einem öffentlichen Bereich kommst, bist du als Quereinsteiger oft besonders interessant.

Muss ich viel reisen? Es kommt auf die Beratung an. Manche Häuser arbeiten zu 80 Prozent remote, andere bestehen auf Präsenz beim Kunden. Frage das im Vorstellungsgespräch ehrlich, weil sich an dieser Frage die Lebensqualität entscheidet.

Wie viele Stunden arbeite ich wirklich pro Woche? Realistisch sind 45 bis 55 Stunden pro Woche, in heißen Phasen mehr. Wer das nicht einplant, leidet. Beratungen schreiben das selten in Stellenausschreibungen, aber jeder Berater wird es dir bestätigen.

Lohnt sich die Beratung als Einstieg in den Beruf? Ja, wenn du flexibel und belastbar bist. Drei Jahre Beratung sind eine der schnellsten Lernkurven, die du in der Branche bekommen kannst. Danach kennst du Methoden, Branchen und Menschen, die dir den Wechsel auf eine Inhouse-Stelle leicht machen.

Wie hoch ist das Einstiegsgehalt in einer Beratung? Die allgemeinen Werte liegen zwischen 50.000 und 65.000 Euro brutto pro Jahr. Große Häuser zahlen oft im oberen Bereich, kleinere Boutiquen am unteren. Dazu kommen Boni, die in der Beratung üblich sind, in der Höhe aber sehr unterschiedlich ausfallen.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger für KI- und Digitalisierungs-Weiterbildungen. Promovierter Naturwissenschaftler, seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung, Berater für Quereinsteiger und Karrierewechsler. Mehr über den Autor.

Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.


Bereit für den nächsten Schritt?

Du willst wissen, ob eine Beratung der richtige Einstieg für dich ist? Buch dir zehn Minuten mit Jens. Wir besprechen ehrlich, ob die Branche zu deinem Leben und deinem Profil passt.

Termin mit Jens buchen

Weiterlesen