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Digitalisierungsmanager werden

Digitalisierungsmanager in der Logistik: der Alltag

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Digitalisierungsmanagerin in einer Logistikhalle mit Tablet, im Hintergrund Förderbänder und Pakete

Digitalisierungsmanager in der Logistik arbeiten am praxisnahen Ende der Branche. Du sorgst dafür, dass eine Lieferung vom LKW über das Lager bis zum Empfänger nachverfolgbar ist, dass Touren effizient geplant werden und dass die Beschäftigten in Lagerhallen und Speditionen weniger Papier durch die Gegend tragen müssen.

In meinen Beratungsgesprächen sitzen ehemalige Disponenten, Speditionskaufleute und Lageristen, die genau wissen, wo der Schuh drückt. Sie kennen die Realität von Versanddienstleistern, die Lieferungen verlieren, von Schichtleitern, die zwölf Stunden am Tag in WhatsApp-Gruppen unterwegs sind, und von Excel-Listen, die täglich mit der Hand aktualisiert werden. Wer aus dieser Welt kommt, hat in der Logistik einen Heimvorteil. Mehr im Beitrag Vom Logistiker zum Digitalisierungsmanager.

Deine Aufgabenfelder

Die Themen sind sichtbar und konkret:

BereichTypische Projekte
LagerverwaltungWareneingang digitalisieren, Pick-by-Voice oder Pick-by-Scan einführen
TransportTelematik anbinden, Tourenplanung optimieren, Schichtbuch digital
VersandSchnittstellen zu Versanddienstleistern, Track and Trace
Beleg- und FrachtOCR für Frachtbriefe, automatische Verbuchung
DispositionÜbersichten in Echtzeit, Auswertungen für die Geschäftsleitung
KundenkommunikationStatusmeldungen automatisieren, Beschwerden klassifizieren
LieferantenanbindungEDI, Portale, automatische Bestätigungen

Du wirst selten ein einziges Projekt isoliert bearbeiten, weil Lager, Transport und Auftragssteuerung ineinandergreifen. Wer ein Lager-Thema anpackt, muss die angrenzende Disposition mitdenken. Das macht die Arbeit komplex, aber auch dauerhaft wirksam.

Ein typischer Tag zwischen Schreibtisch und Halle

Du wechselst regelmäßig zwischen Schreibtisch und Halle. Vormittags hast du Termine mit der Disposition oder dem Lagerleiter, du schaust dir Prozesse vor Ort an, fragst die Werker, was wirklich nervt. Mittags zurück im Büro, dann die Auswertung der Beobachtungen. Nachmittags arbeitest du am Konzept, baust kleine Prototypen, sprichst mit der IT.

Logistik ist eine Branche mit hohem Tempo und engen Margen. Entscheidungen werden schnell getroffen, weil jeder Tag in der Halle Geld kostet. Wer aus einer langsamen Bürowelt kommt, braucht etwas Zeit, um sich an dieses Tempo zu gewöhnen. Wer aus einer Werkstatt oder einer Produktion kommt, fühlt sich wohl. Mehr zur Industrie als verwandter Branche im Beitrag Digitalisierungsmanager in der Industrie.

Die Tool-Landschaft in der Logistik

Die IT-Landschaft ist breit. Häufige Systeme: SAP EWM oder TM für große Häuser, mittelständische Lösungen wie Datalogic, viadat oder Logistec für die Lagerverwaltung. Speditionssoftware wie cargo support, TIS oder INPUT. Telematik-Plattformen von Continental, Bosch, Webfleet oder TomTom. Daneben Microsoft 365, oft Outlook und Excel als zentrale Werkzeuge im Tagesgeschäft.

Auf der Automatisierungsseite ist viel zu tun. n8n, Make, Power Automate für interne Workflows, KI-Tools wie ChatGPT und Claude für Auswertungen und für die Bearbeitung von Reklamationen. Du musst diese Werkzeuge nicht alle administrieren, du musst die Logik kennen und die richtigen Fragen stellen. Mehr zur Tool-Landschaft im Beitrag Welche Tools nutzt ein Digitalisierungsmanager täglich.

Was die Logistik besonders macht

Eine Lieferung ist heute, eine andere morgen. Wer eine Woche an einem Konzept feilt, ist in der Logistik schon zu langsam. Wenn ein Workflow nicht funktioniert, sieht das jeder Schichtleiter innerhalb einer Stunde.

Dazu die Internationalität. Logistik ist meist grenzüberschreitend. Englisch ist in vielen Häusern Pflicht, dazu kommen Begriffe aus dem Zollwesen, aus der Incoterms-Welt, aus der internationalen Frachtdokumentation.

Laut Bundesvereinigung Logistik (BVL) ist die Branche einer der größten Wirtschaftszweige Deutschlands und gleichzeitig einer der am stärksten unter Digitalisierungsdruck stehenden. Wer hier gut arbeitet, findet überall in der Branche Anschluss.

Wer hier reinpasst

Du brauchst Pragmatismus und Tempo. Du brauchst die Bereitschaft, in Sicherheitsschuhen unterwegs zu sein und mit Menschen zu reden, die direkt sind und keine Lust auf große Konzeptpapiere haben. Wer das mitbringt, blüht auf. Wer auf elegante Konferenzräume und ruhige Schreibtische steht, sollte eine andere Branche wählen.

In meinen Kursen sehe ich Quereinsteiger aus der Disposition, dem Verkauf und der Produktion besonders gut ankommen. Sie kennen das Tempo. Mehr im Beitrag Welche Persönlichkeit passt zum Beruf und welche nicht.

Quereinstieg in einer Spedition

Eine Spedition ist kein Ort für lange Konzeptpapiere. Wenn du als Quereinsteiger ankommst, wirst du in den ersten Tagen merken, dass die Disposition jede Minute zwischen Telefon, Fahrer und Kunde aufteilt. Wer hier mit großen Modellen kommt, wird höflich, aber bestimmt zur Seite geschoben.

Mein Tipp aus der Beratungspraxis: Sei in den ersten zwei Wochen vor allem still und beobachte. Setz dich neben einen Disponenten, lass dir erklären, wie er morgens entscheidet, welche Tour wer fährt. Geh in die Halle, lass dir zeigen, wie der Wareneingang läuft. Frag im Versand, was am Tagesende immer wieder hakt. Diese Beobachtungen sind dein Kapital für die ersten Wochen.

Wenn du dann ein Thema vorschlägst, mach es klein und schnell umsetzbar. Eine bessere Übersicht über die Touren, ein automatischer Statusabgleich mit dem Versanddienstleister, eine schlankere Erfassung des Wareneingangs. Wer in der Logistik schnelle, sichtbare Verbesserungen liefert, gewinnt das Vertrauen der Disposition. Wer mit einem Sechsmonatsprojekt ankommt, verliert es schon vor dem Start.

In meinen Kursen erzähle ich Quereinsteigern immer wieder, dass die Logistik die ehrlichste Branche ist. Wenn dein Vorschlag funktioniert, sieht das jeder. Wenn er nicht funktioniert, auch.

Häufige Fragen zum Digitalisierungsmanager in der Logistik

Brauche ich Erfahrung in einer Spedition oder einem Lager? Hilfreich, aber nicht zwingend. Wer aus der Disposition oder dem Lager kommt, hat einen Vorsprung beim Verständnis der Abläufe. Wer aus dem Vertrieb oder dem Einkauf kommt, kennt die angrenzenden Prozesse. Beides hilft.

Wie wichtig ist Englisch in der Logistik? Sehr. Internationale Kunden, internationale Software, internationale Standards. Schulenglisch reicht oft nicht. In großen Häusern laufen viele Meetings auf Englisch.

Werde ich oft im Homeoffice arbeiten? Weniger als in einer Bank. Logistik lebt vom Vor-Ort-Sein, weil viele Themen in der Halle und auf dem Hof entschieden werden. Hybride Modelle mit zwei bis drei Tagen Büro pro Woche sind aber inzwischen üblich.

Welche Arbeitgeber gibt es in der Logistik? Speditionen, Lagerlogistiker, Versanddienstleister, Werkslogistik in der Industrie, KEP-Dienstleister, Reedereien, Bahnlogistik, Luftfracht. Die Vielfalt ist groß, je nach Wohnort sind unterschiedliche Arbeitgeber realistisch.

Wie hoch ist das Einstiegsgehalt in der Logistik? Die allgemeinen Werte liegen zwischen 50.000 und 65.000 Euro brutto. Große, international tätige Häuser zahlen meist am oberen Ende. Mittelständische Speditionen am unteren. Konkrete Branchenversprechen gibt es nicht.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger für KI- und Digitalisierungs-Weiterbildungen. Promovierter Naturwissenschaftler, seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung, Berater für Quereinsteiger in Industrie und Logistik. Mehr über den Autor.

Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.


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