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Digitalisierungsmanager werden

Quereinstieg aus dem Marketing in die Digitalisierung

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Marketing-Managerin Mitte 30 im Home-Office, Notizbuch mit Kampagnenplan, Laptop zeigt Automatisierungs-Workflow

Der Quereinstieg aus dem Marketing in die Digitalisierung ist einer der sanftesten Wechsel, die es gibt. Du arbeitest längst mit Analytics, Automations, CRM und Kampagnen-Tools. Was fehlt, ist der strukturierte Blick auf Prozesse über die Marketingabteilung hinaus und ein sauberes Vokabular für die KI- und Automatisierungs-Welt. Beides lernst du in vier Monaten, mit Bildungsgutschein zu 0 Euro.

In meinen Beratungsgesprächen sitzen regelmäßig Marketing Manager, die merken, dass die spannendsten Projekte in ihren Unternehmen nicht mehr im Marketing entstehen, sondern im Schnittbereich zwischen Fachabteilungen und IT. Wer einmal gesehen hat, wie ein gut gebauter Workflow die Arbeit einer halben Abteilung ersetzt, will selbst solche Workflows bauen. Das ist der Punkt, an dem aus einem Marketing Manager ein Digitalisierungsmanager wird.

Warum der Wechsel aus dem Marketing trägt

Marketing denkt in Trichtern. Leads kommen oben rein, werden qualifiziert, konvertieren oder nicht. Genau dieses Funnel-Denken ist der Kern der Prozessanalyse im Digitalisierungsmanagement. Ob du einen Verkaufstrichter, einen Onboarding-Prozess oder eine Reklamationsbearbeitung modellierst, die Denkfigur ist dieselbe: Schritte, Abzweigungen, Messpunkte.

Dazu kommt deine Tool-Vielfalt. Wer in den letzten Jahren im Marketing gearbeitet hat, hat mit zehn oder zwanzig verschiedenen Werkzeugen hantiert: CMS, Analytics, E-Mail-Automation, CRM, Social-Scheduler, A/B-Testing. Du hast keine Angst vor neuen Tools, und das ist in der Digitalisierung die halbe Miete. Laut Bitkom sind in Deutschland über 100.000 Stellen im Bereich Digitalisierung und KI offen. Viele davon gehen an Leute, die erklären können, warum ein bestimmter Prozess so läuft, wie er läuft, nicht an Leute, die Python schreiben.

Skills, die du mitbringst und die du lernst

SkillHast du schonMusst du lernen
Funnel- und Prozess-DenkenJa, aus KampagnenBPMN-Notation sauber
Arbeit mit Daten und AnalyticsJaDatenbanken und einfache SQL-Abfragen
Tool-AffinitätJa, viele Tools täglichSystematische Tool-Auswahl statt Bauchgefühl
A/B-Testing und MessenJaProzess-KPIs statt Kampagnen-KPIs
Stakeholder-KommunikationJa, aus BriefingsModeration im Projektumfeld
KI-Tools wie ChatGPT, ClaudeWahrscheinlichSystematisch und datenschutzkonform

Was du lernen musst: die Sprache der Prozessmodellierung (BPMN, Lean-Begriffe), Grundlagen der Dokumentenverarbeitung, der souveräne Umgang mit No-Code-Automatisierung und ein Grundverständnis von Large Language Models. Programmieren musst du nicht. Mehr zum Tagesablauf steht im Tagesablauf eines Digitalisierungsmanagers und im Berufsbild-Pillar.

Vier Monate, 13 Module, live online

Die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager umfasst 720 Unterrichtseinheiten über 16 Wochen, Montag bis Freitag, komplett online mit Live-Unterricht.

  • Modul 1 bis 3: Prozessanalyse und Modellierung mit BPMN. Hier kommst du schnell mit, weil dir Funnel-Denken vertraut ist.
  • Modul 4 bis 6: KI-Grundlagen, LLMs, Prompt Engineering. Ohne Mathe, ohne Programmierung.
  • Modul 7: Dokumentenverarbeitung und intelligente Datenextraktion.
  • Modul 8: Chatbots und KI-Agenten. Wenn du je an Chatbot-Projekten gearbeitet hast, hast du einen Startvorsprung.
  • Modul 9: Datenanalyse und Visualisierung. Dein Analytics-Hintergrund trägt hier.
  • Modul 10 bis 12: Change, Projektmanagement, Datenschutz, EU AI Act.
  • Modul 13: Abschlussprojekt mit eigenem Portfolio-Stück.

Am Ende hast du ein DEKRA-Zertifikat nach AZAV, den Microsoft AI-900 Fundamentals Nachweis, den Sachkundenachweis nach Art. 4 KI-VO und ein Portfolio. Details zur Struktur in Wie lange dauert die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager.

Kosten und Finanzierung

Die Weiterbildung kostet bei einem AZAV-zertifizierten Träger rund 9.662,40 Euro. Mit Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters zahlst du 0 Euro. Basis ist § 81 SGB III, es ist eine Ermessensleistung. Voraussetzung: arbeitssuchend, von Arbeitslosigkeit bedroht oder ohne anerkannten Berufsabschluss.

Für Marketing-Beschäftigte läuft der Weg häufig über das Qualifizierungschancengesetz (QCG) nach § 82 SGB III. Dein Arbeitgeber stellt den Antrag beim Arbeitgeberservice. Die Förderquote richtet sich nach der Unternehmensgröße: unter 10 Mitarbeiter bis zu 100 Prozent, 10 bis 249 Mitarbeiter 50 bis 100 Prozent, 250 bis 2.499 Mitarbeiter bis zu 50 Prozent, ab 2.500 Mitarbeiter bis zu 25 Prozent.

Aus meiner Praxis: Marketingabteilungen sind seit 2023 in vielen Unternehmen der erste Bereich, wo Stellen eingespart werden. Wer heute noch im Team sitzt und aufs nächste Jahr blickt, ist in einer guten Position, Freistellung oder Trennung mit Weiterbildung zu verhandeln. Das Timing ist günstig.

Nach der Weiterbildung: Gehalt und Zielbranchen

Vier Monate Weiterbildung plus zwei bis drei Monate Bewerbungsphase, dann der erste neue Vertrag. Einstiegsgehälter liegen zwischen 50.000 und 65.000 Euro brutto, im Konzern eher oben, im Mittelstand eher unten. Mit zwei bis fünf Jahren Erfahrung bewegst du dich Richtung 70.000 bis 90.000 Euro.

Zielbranchen für Ex-Marketer sind E-Commerce, B2B-Mittelstand, SaaS, Agenturen, die sich in Richtung Beratung entwickeln, und Unternehmen mit starkem CRM-Fokus. Mehr in Digitalisierungsmanager im Handel und E-Commerce und Digitalisierungsmanager in Beratungen.

Typische Hürden

Der Kreativitäts-Zweifel. Viele Marketer glauben, dass ihr alter Job “kreativer” war und der neue dröge wird. Das stimmt nicht. Prozesse gut zu gestalten ist anspruchsvolle Kreativarbeit, nur eben mit anderen Werkzeugen.

Der Technik-Zweifel. Du bist kein Entwickler, musst keiner werden. Der EU AI Act Artikel 4 verpflichtet Unternehmen seit dem 2. Februar 2025 zu KI-Kompetenz bei ihren Mitarbeitern, die Hochrisiko-Pflichten kommen ab August 2026 dazu. Gesucht sind Leute, die verstehen und umsetzen, nicht coden.

Der Portfolio-Zweifel. Ohne Portfolio keine Einladungen. Das Abschlussprojekt ist dafür da. Tipps in Wie du ein Portfolio aufbaust bevor du den ersten Job hast.

Der Gehalts-Zweifel. Wenn du heute in einer Senior-Marketing-Position bist, wirst du im Einstieg als Digitalisierungsmanager wahrscheinlich kurzfristig weniger verdienen. Nach zwei Jahren holst du es auf. Mehr in Digitalisierungsmanager Gehalt als Quereinsteiger.

Häufige Fragen zum Wechsel aus dem Marketing

Ich arbeite schon mit HubSpot-Workflows. Brauche ich die Weiterbildung überhaupt? Wahrscheinlich ja. Marketing-Automation-Tools sind eine kleine Teilmenge dessen, was ein Digitalisierungsmanager macht. Du brauchst Prozess-Methodik, KI-Grundlagen, Datenschutz und ein Zertifikat, das Arbeitgeber lesen können.

Kann ich die Weiterbildung neben meinem Marketing-Job machen? Die Vollzeit-Variante ist neben 40 Stunden kaum zu schaffen. Realistisch: QCG-Freistellung, Teilzeitwechsel oder der Bildungsgutschein-Weg.

Zählt mein Studium (BWL, Kommunikation) als Vorqualifikation? Nicht automatisch. Für den Bildungsgutschein zählt die aktuelle Situation, nicht der alte Abschluss. Im Bewerbungsgespräch hilft dein Studium als Einordnung.

Wird Marketing durch KI ersetzt, und ich damit auch? Teile des Marketings ja, andere nicht. Wer bleibt, baut die KI-gestützten Prozesse. Mehr in Wird der Beruf durch KI ersetzt.

Welche Tools werden in der Weiterbildung konkret genutzt? Moderne No-Code- und KI-Plattformen, BPMN-Editoren, Datenbank-Grundlagen, Python-Tools für Datenanalyse nur im Überblick. Kein reiner Programmierkurs.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger für KI- und Digitalisierungs-Weiterbildungen. Promovierter Naturwissenschaftler, seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung, aktiver Kursleiter und Berater für Quereinsteiger. Er berät wöchentlich Menschen aus Marketing, Vertrieb und Fachabteilungen auf dem Weg in die Digitalisierung. Mehr über den Autor.

Zuletzt geprüft am 13. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.


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