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Digitalisierungsmanager werden

Digitalisierungsmanager werden mit 40: Quereinstieg

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Mann Anfang 40 am Schreibtisch im Home-Office, Laptop und Notizbuch, nachdenklich und entschlossen

Digitalisierungsmanager werden mit 40 ist der häufigste Quereinstiegs-Moment, den ich in Beratungsgesprächen erlebe. Mit 40 haben die meisten Menschen 15 bis 20 Jahre Berufserfahrung, kennen ihren alten Beruf in- und auswendig und spüren oft zum ersten Mal deutlich, dass eine Veränderung überfällig ist. Gleichzeitig bleiben 25 Berufsjahre, in denen sich der Wechsel auszahlt. Vier Monate Weiterbildung, mit Bildungsgutschein 0 Euro, danach ein Portfolio. Das ist der pragmatische Weg.

Die ehrliche Einordnung: 40 ist nicht zu spät. Aber der Wechsel ist auch nicht mehr trivial. Du hast in den letzten zehn Jahren Struktur, Kollegen und Verantwortung aufgebaut, und all das stellst du kurz infrage. In meinen Kursen sehe ich regelmäßig, dass die 40-Jährigen die disziplinierteste Lerngruppe sind. Sie wissen, dass sie keine vier Jahre lang herumexperimentieren wollen, und das macht ihren Fokus extrem.

40 ist kein Hindernis

Ja, mit einer Einschränkung. Der Arbeitsmarkt für Digitalisierungsmanager ist bei 100.000 offenen Stellen nach Bitkom deutlich altersoffener als viele klassische Bürojobs. Arbeitgeber filtern weniger auf Alter, mehr auf Haltung und Portfolio. Gleichzeitig gibt es Konzerne, die in automatisierten Bewerbungsfiltern auf Alter schauen, auch wenn das rechtlich heikel ist. Dort bewirbst du dich besser über Empfehlungen oder direkte Ansprache.

Die Einschränkung ist nicht formal, sondern praktisch: Mit 40 musst du mehr als andere Altersgruppen zeigen, dass du lernfähig und energisch bleibst. Das ist kein Kampf gegen Vorurteile, das ist eine sachliche Anforderung. Arbeitgeber, die einen 40-Jährigen einstellen, wollen sehen, dass du nicht nur deinen alten Job in einem neuen Gewand machst, sondern wirklich in den neuen Kontext reinwächst. Portfolio und Auftreten im Vorstellungsgespräch machen den Unterschied.

Stärken die 40-Jährige mitbringen

Sehr viele. Aus der Beratungspraxis fallen drei Punkte besonders oft ins Gewicht.

Das Prozessverständnis aus zwei Jahrzehnten ist der größte Hebel. Du kennst Abläufe, die gut laufen, und solche, die seit zehn Jahren kaputt sind, ohne dass jemand sie repariert. Genau das ist der Rohstoff. Die meisten 22-Jährigen im Büro können das nicht lesen, weil ihnen die Erfahrung fehlt.

Dazu kommt Ruhe in Konfliktsituationen. Ein Digitalisierungsmanager moderiert regelmäßig zwischen Abteilungen, die gegeneinander argumentieren. Wer mit 40 schon ein paar Team- und Führungskonflikte durchgestanden hat, reagiert dort gelassener.

Verlässlichkeit als dritter Faktor. Projektteams schätzen Leute, die nicht nach 18 Monaten weiterziehen. Mit 40 hast du in der Regel ein anderes Verhältnis zu Stabilität als mit 26. Arbeitgeber wissen das und rechnen es positiv an.

Was du mitbringst, ist oft stärker als du selbst glaubst. Das Hauptproblem ist nicht die Eignung, sondern die Frage, wie du das im Lebenslauf und im Gespräch sichtbar machst. Dazu mehr im Artikel Lebenslauf für den Quereinstieg.

Reale Hindernisse mit 40

Die reale Hürde ist die Kombination aus Familie, Fixkosten und fehlender Zeit. Anders als 30-Jährige hast du meist Kinder, eine Immobilie in Abzahlung oder eine teure Miete, und dein Tag ist getaktet. Vier Monate Vollzeit-Weiterbildung müssen da reinpassen.

Drei Antworten aus der Beratungspraxis helfen. Die Finanzrechnung vor Start ist Pflicht: setz dich eine Stunde hin und rechne durch, was deine Fixkosten in den vier Monaten kosten. Vergleiche das mit Arbeitslosengeld, Bürgergeld oder Teilzeitgehalt, je nachdem welcher Weg für dich gilt. Wer die Zahlen kennt, startet entspannter.

Die Absprache mit Partner oder Partnerin ist der zweite Hebel. Vier Monate Vollzeit-Weiterbildung wirken sich auf alle im Haushalt aus. Partner, die früh eingebunden sind, ziehen mit. Partner, die erst nach Kursstart davon erfahren, werden nervös.

Und die Kinderbetreuung durchplanen. Die Agentur für Arbeit übernimmt unter bestimmten Bedingungen Kinderbetreuungskosten während der Weiterbildung. Frag im Beratungsgespräch explizit danach. Details zum Ablauf stehen im Artikel über das Arbeitsamt werden.

Die nicht-reale Hürde ist der Satz “mit 40 nimmt mich doch keiner mehr”. Wir hören ihn jede Woche, und er stimmt in diesem Beruf nicht. Mehr dazu auch in Digitalisierungsmanager werden mit 50.

Der Weg in fünf Schritten

Der Standardweg für 40-Jährige läuft so.

  1. Ist-Analyse. Was kannst du, was magst du, was nicht? Welche Skills aus deinem bisherigen Beruf bleiben, welche fallen weg?
  2. Beratungsgespräch. Entweder bei der Agentur für Arbeit (wenn arbeitssuchend oder von Arbeitslosigkeit bedroht) oder mit dem aktuellen Arbeitgeber (bei Qualifizierungschancengesetz nach § 82 SGB III).
  3. Vier Monate Vollzeit-Weiterbildung. 720 Unterrichtseinheiten, 13 Module, Live-Unterricht. DEKRA-Zertifikat plus Portfolio.
  4. Bewerbungsphase. Zwei bis drei Monate aktive Bewerbung. Wer in der zweiten Kurshälfte schon bewirbt, schafft es schneller.
  5. Erster Arbeitsvertrag. Meist im Mittelstand oder in Beratungen, seltener direkt im Konzern.

Insgesamt sechs bis sieben Monate vom Entschluss bis zum neuen Job. Mehr zur Zeitrechnung im Artikel Wie lange dauert es bis man Digitalisierungsmanager ist.

Realistische Gehälter mit 40

Die Einstiegsgehälter liegen für alle Quereinsteiger zwischen 50.000 und 65.000 Euro brutto pro Jahr, unabhängig vom Alter. Arbeitgeber zahlen für die Rolle, nicht für die Berufsjahre in einem anderen Feld. Das klingt erst einmal ernüchternd, wenn du heute schon 70.000 Euro verdienst.

Die realistische Perspektive: Nach einem bis zwei Jahren bewegst du dich über die Anfangsspanne hinaus, nach drei Jahren bist du in einem normalen 70.000 bis 90.000 Euro Bereich, nach fünf Jahren kann der Schritt Richtung 100.000 Euro gelingen. Der kurzfristige Gehaltsdelle ist real, aber meistens temporär. Wer aus einem angenehmen, aber stagnierenden Job kommt und zehn Jahre Wachstum vor sich sieht, rechnet anders als jemand, der nächstes Jahr aufhören will.

Mehr zur Gehaltsstruktur im Artikel Karrierewechsel ohne Gehaltseinbußen und im Artikel Digitalisierungsmanager Gehalt als Quereinsteiger.

Was sich im Alltag ändert

Der Wechsel mit 40 ist meist kein rein beruflicher. Viele Teilnehmer erzählen mir nach einem Jahr, dass der neue Job ihnen Energie zurückgegeben hat, die sie nicht mehr für möglich hielten. Andere berichten von den ersten Monaten als härtester Zeit seit Jahren, weil sie plötzlich wieder zu den Lernenden gehören und sich das ungewohnt anfühlt.

Beides ist normal. Was hilft: Ehrlich bleiben, nicht perfekt auftreten wollen, im ersten Job viele Fragen stellen und den alten Beruf nicht heroisieren. Mit 40 hast du den Vorteil, dass du nicht mehr jedes Lob brauchst, um dich gut zu fühlen. Das macht den Quereinstieg emotional tragbarer als mit 25.

Häufige Fragen zum Wechsel mit 40

Nimmt mich jemand mit 40 als Quereinsteiger wirklich ernst? Ja, wenn du im Gespräch souverän, konkret und portfolio-gestützt auftrittst. Arbeitgeber im Mittelstand filtern weniger auf Alter als auf Präsenz.

Ist das DEKRA-Zertifikat mit 40 noch hilfreich? Ja, das Alter spielt bei der Anerkennung keine Rolle. Die Zertifizierung ist bundesweit anerkannt, unabhängig vom Alter des Absolventen.

Sollte ich besser bei meinem alten Arbeitgeber bleiben und warten? Das kommt auf deinen Alltag an. Wer merkt, dass sein Aufgabenbereich durch Automatisierung dünner wird, sollte nicht warten. Wer in einem stabilen Umfeld ist, kann auch berufsbegleitend wechseln, siehe Digitalisierungsmanager werden neben dem Beruf.

Wie schaffe ich vier Monate Vollzeit mit Familie? Planung und offene Absprache zu Hause. Der Kurs läuft Mo bis Fr zu festen Zeiten, keine Schichten, keine Überstunden. Viele Teilnehmer mit Kindern berichten, dass es planbarer ist als ihr alter Job.

Was mache ich, wenn der Bildungsgutschein abgelehnt wird? Zweites Gespräch führen, Argumentation schärfen, auf den Arbeitsmarkt verweisen. Die Agentur prüft Verbesserung der Jobchancen, Notwendigkeit und Trägerzertifizierung. Alle drei Punkte kannst du vorbereiten.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger für KI- und Digitalisierungs-Weiterbildungen. Promovierter Naturwissenschaftler, seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung, aktiver Kursleiter und Berater für Quereinsteiger. Mehr über den Autor.

Zuletzt geprüft am 13. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.


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