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Digitalisierungsmanager werden

Excel und SQL als Digitalisierungsmanager: was reicht?

· 7 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Laptop mit geöffneter Tabelle auf einem Schreibtisch neben einem Notizblock mit handschriftlichen Skizzen

Wer Digitalisierungsmanager werden will, stellt früh die Frage: Muss ich Excel und SQL können? Die kurze Antwort lautet ja, aber nicht auf Entwickler-Niveau. Du brauchst solide Excel-Grundlagen mit Formeln, Pivot-Tabellen und einem Hauch Power Query. Bei SQL reichen SELECT-Abfragen, einfache JOINs und das Verständnis, wie Tabellen zusammenhängen. Alles darüber ist bonus.

In meinen Kursen sehe ich beides: Teilnehmer, die schon dreißig Jahre im Büro mit Excel arbeiten und nur wenige Lücken schließen müssen, und Quereinsteiger aus Pflege oder Handwerk, die Excel bisher nur als Liste benutzt haben. Beide Gruppen schaffen die Weiterbildung, aber die erste Gruppe startet im Job deutlich schneller. Excel ist das stille Rückgrat deutscher Unternehmen, und wer es blind bedient, erkennt Probleme, bevor andere sie überhaupt formulieren.

Excel im Berufsalltag

Excel ist in Deutschland die Universalsprache fast jeder Fachabteilung. Controlling, Vertrieb, Einkauf, Lager, Personal: alle reichen Listen und Auswertungen in Tabellenform herum. Wer im Beruf Prozesse automatisieren will, sitzt in der ersten Besprechung vor einer Excel-Datei, die sich über fünfzehn Tabellenblätter zieht und deren Formeln niemand mehr versteht. Genau dort fängt deine Arbeit an.

Als Digitalisierungsmanager nutzt du Excel für drei Dinge. Als Analyse-Werkzeug, wenn du einen bestehenden Prozess durchdringen willst. Als Ausgangspunkt für eine Automatisierung, weil viele Workflows heute noch aus manuellen Excel-Arbeiten bestehen, die du ersetzen sollst. Als Brücke, um schnell mit der Fachabteilung zu kommunizieren, die Diagramme, Excel-Tabellen und Outlook-Mails versteht, aber kein API-Schema.

Laut Bitkom-Digitalisierungsreport ist Microsoft 365 in mehr als der Hälfte der deutschen Unternehmen im Einsatz. Excel kommt damit immer mit. Du wirst in deinem ersten Job diese Umgebung antreffen, unabhängig von der Branche.

Der Excel-Pflichtumfang

Der Umfang ist überschaubar. Du musst nicht jede Funktion auswendig kennen, aber du musst sie nachschlagen und richtig einsetzen können. Diese Bereiche sind nicht verhandelbar.

  • Grundformeln: SUMME, MITTELWERT, ANZAHL, WENN, SVERWEIS oder XVERWEIS, VERKETTEN oder TEXTVERKETTEN
  • Pivot-Tabellen: Daten gruppieren, zählen, summieren, nach Kategorien filtern
  • Bedingte Formatierung: Werte farblich hervorheben, um Ausreißer zu sehen
  • Power Query (Basics): Daten aus Dateien oder Datenbanken einlesen und transformieren
  • Diagramme: Ergebnisse visualisieren, damit die Fachabteilung sofort mitzieht

Dazu kommt ein Detail, das viele unterschätzen: Saubere Datenstruktur. Wer eine Tabelle erbt, in der Spalten plötzlich Kommentare enthalten und Zahlen als Text stehen, muss das erkennen und korrigieren. Die Weiterbildung trainiert diesen Blick, aber er wächst erst mit Praxis.

Was du nicht brauchst: Makros in VBA schreiben. Das war früher das Maß für “fortgeschrittenes Excel”, ist heute aber zunehmend überflüssig. Stattdessen nimmst du Workflow-Tools wie n8n oder Power Automate und löst die Aufgabe außerhalb von Excel. VBA kommt in Stellenausschreibungen für Digitalisierungsmanager praktisch nicht mehr vor.

Was du von SQL wirklich brauchst

SQL ist die Sprache, mit der du Daten aus Datenbanken holst. Als Digitalisierungsmanager bist du kein Datenbank-Administrator, aber du stößt in vielen Projekten auf eine Datenbank, deren Inhalt du verstehen musst. Dafür genügt ein klares Grundverständnis und die Fähigkeit, einfache Abfragen zu schreiben und zu lesen.

Der Pflichtumfang bei SQL:

  • SELECT … FROM … WHERE: Daten aus einer Tabelle holen und filtern
  • JOIN (INNER und LEFT): Mehrere Tabellen verbinden, um Zusammenhänge zu sehen
  • GROUP BY und Aggregatfunktionen: COUNT, SUM, AVG, um Daten zusammenzufassen
  • ORDER BY und LIMIT: Ergebnisse sortieren und eingrenzen
  • Verständnis für Primary Keys und Foreign Keys: Wie Tabellen in einer Datenbank zusammenhängen

Was du nicht brauchst: Datenbanken selbst entwerfen, Stored Procedures schreiben, Indizes optimieren, Transaktionen absichern oder SQL-Dialekte vergleichen. Das ist Datenbank-Entwickler-Arbeit. Deine Aufgabe ist, Daten zu lesen und zu verstehen, nicht Datenbanken zu bauen.

SQL im Berufsalltag

SQL taucht in drei Szenarien auf. Wenn du ein Reporting aus einer bestehenden Datenbank ziehen sollst, weil die Fachabteilung eine Auswertung braucht, die in Excel nicht verfügbar ist. Wenn du eine Automatisierung baust und als Quelle eine Datenbank anzapfen willst, etwa Kundenstammdaten aus einem CRM. Wenn du mit einem Analyse-Tool arbeitest, das hinter der Oberfläche SQL-Abfragen ausführt, zum Beispiel Metabase, Power BI oder ein Cloud-Data-Warehouse.

Ein typisches Beispiel aus der Praxis: Die Buchhaltung sagt “wir brauchen alle Rechnungen über 10.000 Euro aus dem letzten Quartal, sortiert nach Kunde”. Wer SQL kann, schreibt die Abfrage in drei Minuten. Wer es nicht kann, wartet, bis die IT-Abteilung Zeit hat. In der Praxis erlebe ich diese Situation mehrmals pro Monat in Gesprächen mit Teilnehmern, die gerade im Beruf angekommen sind.

Excel und SQL im Vergleich

Wenn du mit begrenzter Zeit einsteigst, ist Excel die Pflicht und SQL die Kür. Excel begegnet dir jeden Tag. SQL begegnet dir in jedem dritten Projekt. Diese Rangfolge gilt für die meisten Einstiegsstellen im deutschen Mittelstand.

KriteriumExcelSQL
PflichtumfangFormeln, Pivot, Power Query BasicsSELECT, JOINs, GROUP BY
Vorkommen im AlltagTäglichProjektweise
Lernaufwand EinsteigerMittelNiedrig bis mittel
Zertifikat sinnvollSelten (außer Fachwechsel ins Controlling)Praktisch nie für diese Rolle
Was du nicht brauchstVBA, komplexe MakrosDatenbank-Design, Performance-Tuning
Im DigiMan-KursWird vorausgesetzt und ausgebautWird eingeführt, Grundlagen vermittelt

Excel und SQL in der Weiterbildung

Die DigiMan-Weiterbildung setzt solide Excel-Grundkenntnisse voraus, baut aber Pivot, Power Query und Datenaufbereitung aus. SQL lernst du von Null auf ein Anwender-Niveau. Das bedeutet: Am Ende des Kurses kannst du eigene SELECT-Abfragen mit JOINs schreiben, Ergebnisse interpretieren und in eine Automatisierung einbauen. Du wirst keine Datenbank entwerfen oder Indizes optimieren, das ist ein anderer Beruf.

Der Kurs umfasst 720 Unterrichtseinheiten über vier Monate, komplett online, DEKRA-zertifiziert nach AZAV. Die Datenthemen konzentrieren sich in Modul 9 zu Datenanalyse und Machine Learning und berühren viele andere Module, weil in praktisch jedem Projekt Daten eine Rolle spielen. Wer vorher noch nie eine Excel-Formel geschrieben hat, muss in den ersten Wochen etwas mehr investieren, schafft es aber auch aus dem Stand. Dafür ist der Online-Live-Unterricht mit direktem Rückfragen da.

Vor dem Kurs vorbereiten

Wer zwei, drei Wochen vor Kursbeginn ein Grundgerüst legen will, investiert in Excel-Grundformeln und eine erste Pivot-Tabelle. Das reicht. SQL kann warten, bis der Kurs startet. Wichtiger als Vorbereitung ist, dass du mit einer realistischen Erwartung kommst: Du lernst Werkzeuge nutzen, nicht Programmiersprachen auf Entwickler-Niveau. Mehr zur Einordnung der Rolle findest du im Überblick über die Skills, die der Beruf braucht und zur grundsätzlichen Frage ob du Python lernen musst.

Laut Bundesagentur für Arbeit steigt die Nachfrage nach Fachkräften, die Daten interpretieren und Prozesse verbessern können, seit Jahren kontinuierlich. Das ist genau die Lücke, in die der Digitalisierungsmanager hineinwächst, und dafür sind Excel und ein wenig SQL das Minimum an Handwerkszeug.

Häufige Fragen zu Excel und SQL im Beruf

Muss ich Excel auf Profi-Niveau können, um die Weiterbildung zu schaffen? Nein. Du solltest Grundformeln und einfache Tabellen verstanden haben. Pivot und Power Query lernst du im Kurs. Wer noch nie eine Formel geschrieben hat, kann in zwei Wochen Vorbereitung mit frei verfügbaren Tutorials das nötige Basiswissen aufbauen.

Wird SQL in Stellenanzeigen für Digitalisierungsmanager oft verlangt? Oft als “wünschenswert”, selten als Ausschlusskriterium. Wer SELECT mit JOINs versteht, kann auf diese Fragen im Bewerbungsgespräch souverän antworten. Tiefer musst du selten gehen.

Ist Power Query schwieriger als normale Excel-Formeln? Power Query fühlt sich am Anfang anders an, weil du eine Oberfläche für Datentransformationen benutzt. Wer einmal den Dreh raus hat, arbeitet damit deutlich schneller als mit langen Formelketten. Der Kurs führt Power Query behutsam ein.

Brauche ich ein Zertifikat für Excel oder SQL? In der Regel nein. Arbeitgeber wollen sehen, dass du reale Aufgaben lösen kannst. Das zeigst du besser mit einem Portfolio aus dem Kurs oder aus früheren Berufsphasen als mit einem abstrakten Zertifikat.

Was ist, wenn ich aus der Pflege oder aus dem Handwerk komme und Excel kaum benutzt habe? Das ist kein Ausschluss. Die ersten zwei Wochen im Kurs sind extra so angelegt, dass auch Quereinsteiger ohne Büro-Hintergrund die Basis aufbauen. Wichtig ist, dass du bereit bist, die Vorbereitungsübungen ernst zu nehmen.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger für KI- und Digitalisierungs-Weiterbildungen. Promovierter Naturwissenschaftler, seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung aktiv, Kursleiter und Berater für Quereinsteiger. Mehr über den Autor.

Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.


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