Selbsteinschätzung: welche Skills hast du schon?
Bevor du dich für die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager entscheidest, solltest du ehrlich einschätzen, was du schon mitbringst. Die meisten Quereinsteiger unterschätzen ihre Stärken und überschätzen die Lücken. Diese Seite gibt dir eine Checkliste für Hard Skills wie Excel, Datenanalyse und Prozessdenken, für Soft Skills wie Kommunikation und Moderation und eine Ist-Soll-Tabelle, mit der du nach zehn Minuten weißt, wo du stehst.
In der Beratungspraxis sehe ich immer wieder das gleiche Muster: Jemand hat zehn Jahre im Büro gearbeitet, kann Outlook, Excel, ein ERP-System und moderiert seit Jahren Abteilungsmeetings. Im Selbstbild steht trotzdem “ich kann nichts Technisches”. Das stimmt fast nie. Was fehlt, sind meist zwei, drei konkrete Methodenbausteine und das Vokabular, um das eigene Wissen als Digitalisierungs-Know-how zu verkaufen.
Was als Skill zählt
Ein Digitalisierungsmanager arbeitet an der Schnittstelle zwischen Fachabteilung, IT und Geschäftsführung. Er nimmt Prozesse auf, findet Engstellen, schlägt Automatisierung vor und begleitet die Umsetzung. Daraus ergibt sich eine klare Trennung zwischen Hard Skills (Werkzeuge und Methoden) und Soft Skills (Kommunikation und Veränderung).
Die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager dauert vier Monate, umfasst 720 Unterrichtseinheiten und ist DEKRA-zertifiziert nach AZAV. Sie baut auf genau dieser Trennung auf: rund 40 Prozent Praxis, der Rest Methode und Theorie. Wer schon Hard Skills mitbringt, kann sich im Kurs auf die Soft Skills und die Methodik konzentrieren. Wer schon moderieren kann, muss weniger in die Kommunikationsmodule investieren.
Hard Skills
Hard Skills sind messbar. Entweder du kennst ein Werkzeug oder nicht, entweder du hast schon einen Prozess analysiert oder noch nie. Die folgenden sechs Blöcke decken den größten Teil dessen ab, was ein Digitalisierungsmanager im Alltag braucht.
Tabellenkalkulation. Excel, Google Sheets oder LibreOffice Calc. Pivot-Tabellen, SVERWEIS, einfache Formeln, Filterung. Wer drei Jahre in einer kaufmännischen Rolle gearbeitet hat, hat das meist drauf, auch wenn er es nicht so nennt. Fortgeschritten wäre: Power Query, Makros, XLOOKUP.
Datenanalyse. Nicht zwingend SQL oder Python. Aber: Kannst du einen Datensatz lesen, Mittelwerte bilden, Ausreißer erkennen, eine einfache Auswertung aus einem ERP-Export bauen? Das ist der Kern.
Prozessdenken. Kannst du einen Arbeitsablauf in Schritte zerlegen? Erkennst du Engpässe? Verstehst du, wo ein Medienbruch ist (zum Beispiel von E-Mail zu Papier zu System)? Wer schon Checklisten gebaut oder Abläufe dokumentiert hat, hat den Einstieg.
Tool-Erfahrung. Welche Werkzeuge hast du im Alltag schon bedient? CRM-Systeme, ERP, DMS, Projektmanagement-Tools, Ticketsysteme. Jedes Tool zählt. Auch ein langweiliges internes System.
Office-Paket plus Kollaboration. Word, PowerPoint, Outlook, Teams, SharePoint. Das ist kein Skill, das ist Grundwasser. Aber es ist die Basis, auf der du die nächsten Schritte aufbaust.
Erste KI-Erfahrung. Hast du schon mit ChatGPT, Claude oder einem anderen LLM gearbeitet? Kannst du einen Prompt schreiben, der mehr als eine Zeile hat? Das muss kein Profi-Level sein, aber Nullerfahrung ist ein Startnachteil, den du im Kurs aufholen musst.
Die offiziellen Kompetenzdefinitionen für Prozessdigitalisierung findest du zum Beispiel im Digitalcheck des BMWK, eine breitere Kategorisierung im Leitfaden für digitale Kompetenzen bei der Bitkom.
Soft Skills
Soft Skills sind schwerer zu messen, aber im Alltag oft entscheidender. Ein Digitalisierungsmanager, der technisch brillant ist, aber die Fachabteilung nicht mitbekommt, scheitert. Umgekehrt kommt jemand mit mittlerem Tool-Wissen und starkem Change-Handwerk erstaunlich weit.
Kommunikation. Kannst du einem Sachbearbeiter erklären, warum seine Tabelle gleich weg ist, ohne dass er sich angegriffen fühlt? Kannst du der Geschäftsführung in drei Sätzen sagen, was ein Projekt bringt? Das ist die Kernkompetenz.
Moderation. Kannst du ein Meeting mit acht Leuten so führen, dass am Ende ein Ergebnis steht? Wer Abteilungsrunden, Jour Fixe oder Projektmeetings geleitet hat, bringt das mit.
Stakeholder-Verständnis. Wer sind die Betroffenen eines Prozesses? Wer hat formale Macht, wer informelle? Wer wird gewinnen, wer wird verlieren? Wer schon in politischen Strukturen gearbeitet hat (Verwaltung, größere Firmen, Vereine), kennt das Muster.
Zuhören. Der unterschätzteste Skill. In meinen Kursen sehe ich oft, dass Teilnehmer mit zwanzig Jahren Berufserfahrung gelernt haben zuzuhören, aber glauben, das sei nichts wert. Es ist alles wert.
Veränderungsbereitschaft. Kannst du selbst Neues lernen, ohne dich zu wehren? Wer sich gerade für eine Weiterbildung entscheidet, erfüllt diesen Punkt meistens schon. Aber es lohnt sich, ehrlich zu sein: Bist du bereit, alte Gewohnheiten aufzugeben?
Frustrationstoleranz. Digitalisierungsprojekte scheitern oft an Widerstand, alten Systemen und politischen Nebenkriegen. Wer das aushalten kann, ohne sofort zu kündigen oder explodieren, ist Gold wert.
Die Ist-Soll-Tabelle
Hier ist die Tabelle, mit der du konkret arbeiten kannst. Bewerte dich ehrlich auf einer Skala von eins bis fünf: eins heißt Nullerfahrung, drei heißt kann ich im Alltag, fünf heißt ich könnte es unterrichten. Das Soll ist der Wert, den du am Ende der Weiterbildung brauchst, um als Berufsanfänger einzusteigen.
| Skill | Ist (1-5) | Soll | Lücke |
|---|---|---|---|
| Excel Pivot, SVERWEIS | ? | 3 | ? |
| Einfache Datenanalyse | ? | 3 | ? |
| Prozessdenken, Ablauf zerlegen | ? | 4 | ? |
| Ein Tool gelernt und gemeistert | ? | 3 | ? |
| Office und Kollaboration | ? | 3 | ? |
| LLM-Grundlagen (ChatGPT, Claude) | ? | 3 | ? |
| BPMN oder ähnliche Prozessnotation | ? | 3 | ? |
| Kommunikation mit Nicht-Technikern | ? | 4 | ? |
| Moderation kleiner Runden | ? | 3 | ? |
| Stakeholder-Verständnis | ? | 3 | ? |
| Veränderungsbereitschaft | ? | 4 | ? |
| Frustrationstoleranz | ? | 4 | ? |
Wenn du in der Soll-Spalte einen Vier-Wert siehst, ist das keine Vorgabe, sondern ein Reifegrad. Vier heißt: du kannst es selbstständig anwenden, auch unter Druck. Drei reicht für die ersten Monate im Job, Vier für das zweite Jahr.
Rechne dann die Lücken aus (Soll minus Ist). Wenn du bei mehr als sechs Zeilen eine Lücke von zwei oder mehr hast, ist der Einstieg anstrengend, aber machbar. Wer bei mehr als zehn Zeilen bei Lücke drei oder vier landet, sollte die Weiterbildung ruhig angehen und zusätzlich in den ersten Wochen selbstständig vorarbeiten.
Typische Muster aus der Beratung
Quereinsteiger aus dem kaufmännischen Bereich haben fast immer ein klares Bild: Hard Skills stehen auf drei bis vier (Excel, Office, ERP kennen sie), Soft Skills stehen hoch (Kommunikation, Moderation durch Jahre Berufspraxis), aber Prozessnotation, LLM-Grundlagen und einfache Automatisierung stehen auf eins. Genau diese Lücken deckt die Weiterbildung ab.
Quereinsteiger aus der Industrie (Produktion, Handwerk, Technik) haben oft starkes Prozessdenken und Frustrationstoleranz, aber schwache Office-Routinen und wenig Kollaborationserfahrung in reinen Büro-Strukturen. Auch diese Lücken lassen sich schließen, brauchen aber mehr eigenes Üben.
Quereinsteiger aus dem Sozialbereich (Pflege, Bildung, Betreuung) haben überragende Soft Skills, wenig Hard Skills und oft das größte Selbstzweifeln. Das löst sich in den ersten Kurswochen meistens schnell, sobald die ersten Übungen klappen.
Wenn eine Lücke zu groß ist
Drei Wege haben sich in der Praxis bewährt.
Vor Kursstart zwei bis drei Wochen Excel-Grundlagen auffrischen, zum Beispiel mit kostenlosen Tutorials der Bundesagentur für Arbeit oder Herstellerinhalten.
Einen Gratis-Account bei ChatGPT oder Claude anlegen und einfach anfangen, eigene Texte umschreiben zu lassen.
Einen echten Prozess im eigenen Alltag dokumentieren, zum Beispiel den eigenen Bewerbungsprozess als Ablaufdiagramm.
Das kostet null Euro und bringt dich mental und fachlich vor den Kursstart. Wer das macht, ist in der dritten Kurswoche im Vorteil. Mehr zum Einstieg und zu Methoden, sich selbst weiterzubilden, steht im Artikel Nach dem Kurs weiter entwickeln ohne neuen Kurs und in der Übersicht zum Berufsbild des Digitalisierungsmanagers.
Was die Selbsteinschätzung über deine Chancen sagt
Die Tabelle ersetzt kein Beratungsgespräch, aber sie gibt dir eine klare Basis. Wer ehrlich eine mittlere Gesamtpunktzahl erreicht (Ist durchschnittlich zwei bis drei über alle Zeilen), ist ein klassischer Quereinsteiger und wird im Kurs nicht überfordert sein. Wer fast überall bei eins steht, muss Zeit für Selbstlernen vor und im Kurs einrechnen. Wer fast überall bei vier oder fünf ist, sollte sich fragen, ob ein Upskilling-Weg ohne Vollzeit-Kurs nicht passender wäre (siehe Artikel Nach dem Kurs weiter entwickeln).
Die wichtigste Regel: Die Selbsteinschätzung ist ein Startpunkt, keine Prüfung. Niemand kommt mit allen Werten auf Soll rein, und niemand muss. Wer zwölf Wochen im Kurs ehrlich mitarbeitet und danach im Skill-Check für den ersten Job bestanden hat, ist einstiegsbereit.
Häufige Fragen zur Selbsteinschätzung
Brauche ich vor dem Kurs Programmierkenntnisse? Nein. Die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager richtet sich explizit an Quereinsteiger ohne Programmiererfahrung. Ein Gefühl für strukturiertes Denken reicht. Mehr dazu im Artikel Muss ich Python lernen?.
Kann ich die Selbsteinschätzung auch als Bewerbungswerkzeug nutzen? Ja, in abgespeckter Form. Eine Tabelle mit drei bis vier Kernkompetenzen, bei denen du Zahlen und Beispiele nennen kannst, ist ein starkes Element im Vorstellungsgespräch. Die rohe Ist-Soll-Tabelle zeigst du aber keinem Arbeitgeber, die ist für dich privat.
Was ist, wenn ich alle Hard Skills habe, aber Angst vor der Prüfung? Prüfungsangst ist ein eigenes Thema und hat mit Skills wenig zu tun. Die Kursformate sind praxisorientiert, es gibt ein Portfolio und eine Präsentation, aber keine klassische Klausur im IHK-Stil. Wer das weiß, entspannt sich oft deutlich.
Wie oft sollte ich die Selbsteinschätzung wiederholen? Einmal vor Kursstart, einmal in der Mitte des Kurses (Woche acht), einmal am Ende. Die Verschiebung zwischen den drei Runden ist der beste Lernbeweis, den du später in einem Bewerbungsgespräch zeigen kannst.
Zählt Auslandserfahrung als Skill? Ja, mittelbar. Wer in einem anderen Land gearbeitet hat, hat meistens Anpassungsfähigkeit, Sprachkompetenz und Flexibilität aufgebaut. Das sind keine Hard Skills im engeren Sinne, aber sie stehen auf der Soft-Skill-Seite sehr weit oben.
Über den Autor
Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger für KI- und Digitalisierungs-Weiterbildungen. Promovierter Naturwissenschaftler, seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung, aktiver Kursleiter und Berater für Quereinsteiger. Er berät wöchentlich Arbeitssuchende und Beschäftigte, die den Sprung in die Digitalisierung machen wollen. Mehr über den Autor.
Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.
Bereit für den nächsten Schritt?
Du willst rausfinden, ob die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager für dich passt? Buch dir 10 Minuten mit Jens. Wir gehen deine Selbsteinschätzung durch und besprechen, wo du im Kurs ansetzen solltest. Wenn es nicht passt, sagen wir das.
Weiterlesen
Agile Methoden: welches Level wird erwartet?
Scrum, Kanban, Retro: Welches agile Wissen brauchst du als Digitalisierungsmanager wirklich? Kein Scrum Master nötig, aber das solltest du kennen.
9 Min. Lesezeit
AI-900 Prüfung auf Deutsch: Ablauf und Schwierigkeit
AI-900 auf Deutsch: Ablauf bei Pearson VUE, 40-60 Fragen in 45 Minuten, 700/1000 Punkte. Was dich erwartet und wie du dich vorbereitest.
9 Min. Lesezeit
BPMN verstehen: wann brauchst du es wirklich?
BPMN verstehen als Digitalisierungsmanager: Wann du die Prozessnotation ernsthaft brauchst und wann ein einfacher Flowchart reicht.
7 Min. Lesezeit